Interview mit Walter Lange zu seinem 90. Geburtstag

LEBENSWEG

Am 29. Juli 2014 feiern Sie Ihren 90. Geburtstag – Grund genug, ein wenig zurückzuschauen. Ganz spontan: Was war denn die schönste Zeit in Ihrem Leben?

Ich will ehrlich sein: meine Kindheit, so profan das klingen mag. Ich war unbeschwert, frei von den Sorgen des Erwachsenenlebens, erlebte jeden Tag kleine Abenteuer und fühlte mich in der Familie geborgen. Für mich sind das die schönsten Erinnerungen, wenn ich auf mein Leben zurückschaue.

Sie wurden in eine Uhrmacherfamilie hineingeboren. Wann kamen Sie das erste Mal mit Uhren in Berührung?

Heute spielen Kinder mit ferngesteuerten Autos oder am Computer. Als ich ein Kind war, hatte ich einen Uhrenbaukasten. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, aber ich baute mir aus den Teilen eine Uhr zusammen. Als Kind war ich oft in der Manufaktur, das hat mich von Anfang an stark geprägt.

Dann absolvierten Sie selbst eine Ausbildung zum Uhrmacher?

Ja, als ich 16 Jahre alt war, folgte ich der Familientradition. Damals wurde in Glashütte nur die Meisterausbildung angeboten, deshalb ging ich nach Karlstein in Österreich. Ich musste die Lehre nach anderthalb Jahren unterbrechen, weil ich eingezogen wurde. Nach dem Krieg habe ich dann an der Uhrmacherschule Glashütte bei Alfred Helwig weitergelernt.

Was war die schwerste Stunde in Ihrem Leben?

Das waren einige Stunden während des Zweiten Weltkriegs, die ich, nachdem ich durch einen Schuss am Bein verletzt worden war, ganz still auf dem Schlachtfeld liegend verbracht habe. Erst am Abend habe ich es gewagt, aus der Gefahrenzone zu robben. Der Krieg und alle damit verbundenen Erinnerungen sind mir immer noch ein Gräuel.

Am letzten Kriegstag mussten Sie die Bombardierung der Manufaktur miterleben.

Ja, das war ein furchtbares Ereignis. Ich war mit meiner Beinverletzung über die Ostsee in meine Heimat zurückgekehrt und ganz in der Nähe von Glashütte in einem Lazarett gelandet. Ein glücklicher Umstand, den ich als schicksalhaft betrachte. Mein Vater beschaffte mir einen Urlaubsschein – ausgestellt auf den Zeitraum 7. bis 15. Mai 1945. Ich war unglaublich glücklich, endlich wieder bei meiner Familie zu sein. Aber am Morgen des 8. Mai gab es einen Bombenalarm, und Bomben zerstörten unser Hauptproduktionsgebäude.

Nach Kriegsende wurden die Glashütter Uhrenfirmen enteignet. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Mein Vater Rudolf und seine beiden Brüder Otto und Gerhard leiteten damals die Manufaktur. Wir versuchten natürlich weiterzuarbeiten, die Produktionsstätte wieder aufzubauen. Mit meinem Vater und Onkel Otto habe ich viel diskutiert, wie es mit dem Unternehmen weitergehen sollte. Wir begannen mit der Entwicklung des Kalibers 28 für eine Armbanduhr, aber ehe es in die Serienproduktion gehen konnte, wurde das Unternehmen im April 1948 enteignet. Mein Vater und seine Brüder durften die Manufaktur nicht mehr betreten. Mir trug man den Eintritt in die Gewerkschaft an, den ich ablehnte. Im November 1948 floh ich über Nacht aus meiner Heimatstadt, um der Zwangsverpflichtung in den Uranbergbau zu entgehen.

Nach der Enteignung 1948 wurde das Unternehmen zu einem volkseigenen Betrieb und im Jahr 1951 mit anderen Glashütter Uhrenfirmen zwangsvereinigt; der Name A. Lange & Söhne wurde nicht mehr verwendet. Sie selbst gingen nach Pforzheim. Wie haben Sie die Entwicklung aus der Ferne erlebt?

Voller Sorge. Vor allem um meinen Vater, der die Enteignung kaum verkraftet hatte. Wir haben ihn zwar zu uns nach Pforzheim geholt, aber er konnte den Verlust der Manufaktur und seiner Heimat nicht verwinden. Er ist nur ein Jahr später gestorben. Wir alle glaubten, das Familienunternehmen sei für immer verloren, das hat uns sehr traurig gestimmt.

Am 7. Dezember 1990 haben Sie in Glashütte den Neubeginn gewagt. War das schwierig?

Das war ein Risiko, aber für mich der einzig richtige Weg. Als die Berliner Mauer fiel, war ich bereits im Ruhestand. Aber die Chance, das Erbe meiner Vorfahren wiederzubeleben, konnte ich mir doch nicht entgehen lassen! Der 7. Dezember 1990 gehört zu den bedeutendsten Tagen meines Lebens. Damals meldete ich die Marke wieder an – mit der geborgten Postadresse einer früheren Klassenkameradin aus der Volksschulzeit in Glashütte. Wir mussten bei null anfangen.

Wie ging es dann weiter?

Die ersten Wochen und Monate bargen so viele Hindernisse. Eine Geschichte ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Damals, 1990/1991, verhandelten wir mit der Treuhand über die Rückgabe des Lange-Stammhauses. Am Mittwoch vor Ostern traf ich Detlev Karsten Rohwedder, den Chef der Treuhand, und hatte nach unserem Gespräch endlich das Gefühl, den richtigen Mann gefunden zu haben. Fünf Tage später, am späten Abend des Ostermontags, wurde Rohwedder in seinem Haus erschossen. Ich war wie gelähmt. Die weitere Verhandlung mit der Treuhand zur Rückgabe unseres Stammhauses war nicht erfolgreich. Erst im Jahr 2000 konnten wir das Gebäude von der Stadt Glashütte zurückkaufen.

Wer war Ihr wichtigster Begleiter?

Mein Partner Günter Blümlein. Ohne ihn wäre der Neustart sicher unmöglich gewesen. Blümlein war ein Mann der Tat, aber auch ein Visionär. Er dachte langfristig, war ein hervorragender Stratege, hatte ein Händchen für Uhrendesign und für das richtige Marketing.

Wie nahe standen Sie sich?

In der Nachwendezeit haben Günter Blümlein und ich sehr viel Zeit miteinander verbracht. Oft saßen wir abends bei einem Glas Rotwein in der Ladenmühle, einem kleinen Hotel in der Nähe von Glashütte. Er wollte immer, dass ich ihm von früher erzähle, von der Zeit der Taschenuhr-Manufaktur meiner Vorfahren. Das waren wunderschöne Abende, an die ich mich gern erinnere. Später haben wir uns geärgert, dass wir kein Diktiergerät dabei hatten. Besonders aufregend waren auch die Tage vor der Vorstellung unserer ersten Kollektion im Oktober 1994. Damals teilten Blümlein und ich ein Büro: Jeder saß vor seiner Schreibmaschine, und wir diskutierten gemeinsam die Inhalte unserer Reden für die erste Pressekonferenz. Es ist tragisch, dass Blümlein so früh verstorben ist.

Können Sie Ihre damalige Vision in einem Satz zusammenfassen?

Uns war von Anfang an wichtig, Uhren zu entwickeln, die in ihrer schlichten, klassischen Erscheinung von höchster Modernität sind.

Haben Sie damals, als Sie mit 15 Mitarbeitern begonnen haben, gedacht, dass aus A. Lange & Söhne wieder ein Weltunternehmen werden würde?

Darauf gehofft haben wir natürlich. Schließlich waren meine Vorfahren mit ihren Taschenuhren auch international erfolgreich. Noch heute melden sich bei uns Besitzer historischer Lange-Uhren aus der ganzen Welt. Unsere neuen Uhren wollten wir zunächst in Deutschland und Europa verkaufen. Doch die Anfragen kamen bald auch aus Übersee. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, A. Lange & Söhne wieder auf der internationalen Bühne zu platzieren.

Was war der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Das ist schwer zu sagen. Die erfolgreiche Pressekonferenz am 24. Oktober 1994, als wir unsere erste Kollektion vorgestellt haben, gehört dazu. Auch 2013 gab es so einen Moment, als wir die auf sechs Exemplare limitierte GRAND COMPLICATION in Genf erstmals gezeigt haben. Da hatte ich wieder das Gefühl, dass Lange alles richtig macht. Dann ist man stolz auf die Tradition, das Unternehmen und die Mitarbeiter.

Und worüber freuen Sie sich besonders?

Über das, was sich aus den bescheidenen Anfängen entwickelt hat. Lange ist nicht die einzige Firma in Glashütte geblieben. Glashütte ist inzwischen wieder das Zentrum der deutschen Uhrenindustrie. Mehr als 1300 Menschen haben hier Arbeit gefunden und die Region in eine „blühende Landschaft“ verwandelt. Natürlich bin ich stolz auf die Rolle, die A. Lange & Söhne dabei gespielt hat. Lange ist, wie schon zu Zeiten meines Urgroßvaters, das Kraftzentrum der Region. Und ich glaube, dass die meisten Menschen das genauso sehen.

Man sagt: keine Erfolge ohne Niederlagen. Welche war Ihre bitterste?

Die Enteignung 1948 zählt für mich zu den bittersten Erfahrungen. Doch noch schlimmer war es, anschließend den langsamen Verfall der verstaatlichten Manufaktur mit ansehen zu müssen.

Der erste Lehrling arbeitet heute noch im Betrieb – darf der Sie duzen?

Wir haben 1997 mit der Ausbildung von zwei Uhrmachern begonnen. Einer von ihnen ist heute noch im Unternehmen. Inzwischen gehört er zu unseren Produktentwicklern und arbeitet als Konstrukteur an der Gestaltung neuer Uhrwerke. Er ist ein eher zurückhaltender junger Mann. Ich glaube, für ihn bin ich einfach „der Herr Lange“, wie für die anderen Mitarbeiter auch.

Was schätzen Sie denn an den Glashüttern?

Ihre Ruhe und Ausgeglichenheit, die mancher Großstädter vielleicht als anstrengend empfindet. Aber Perfektion verträgt sich eben nicht mit Schnelligkeit.

 

LEISTUNG

Was macht die typische Lange-Uhr aus?

Günter Blümlein hat einmal davon gesprochen, dass eine Lange-Uhr ein Gesamtkunstwerk sei, bestehend aus einer langen Geschichte, der Leidenschaft der Mitarbeiter für eine feine Uhr, dem Stil des Hauses, der Verantwortung für die Tradition und schließlich der einzigartigen Technik und Handwerkskunst, der wir uns verschrieben haben. Ich kann dem nur zustimmen.

Wie oft werden Sie auf Ihren Namen angesprochen? Wie lebt es sich damit?

Lange ist zum Glück ein häufiger Name. Ich werde außerhalb von Uhrenkreisen nur selten darauf angesprochen. Für mich bedeutet er in erster Linie Verantwortung. Die ist weniger mit dem Namen als vielmehr mit der Familientradition, dem Unternehmen, dem Ort Glashütte und den Menschen, die hier leben und arbeiten, verbunden. Als Kind habe ich in den 1920er- und 1930er-Jahren die Massenarbeitslosigkeit gesehen und erlebt, wie meine Eltern sich davor fürchteten, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Das hat mich geprägt. Es war ein wichtiger Beweggrund für die Neugründung unserer Manufaktur. Als die Mauer fiel, ging es mir nicht nur darum, den Namen A. Lange & Söhne neu zu beleben. Vor allem wollte ich einen Beitrag dazu leisten, den Menschen in Glashütte wieder eine Perspektive zu geben. Ich wollte wieder Arbeit nach Glashütte bringen.

Herr Lange, können Sie Ihre Ehrenpreise noch zählen?

So viele sind es gar nicht. Im Juli 1998 habe ich den Verdienstorden des Freistaates Sachsen erhalten. Außerdem bin ich seit 1995 stolzer Ehrenbürger der Stadt Glashütte. Besonders gefreut habe ich mich im vergangenen Jahr über die Auszeichnung „Hommage à la Passion“ für mein Lebenswerk, die ich von der FHH-Stiftung zur Förderung der hohen Uhrmacherkunst in Lausanne erhalten habe. Ausgerechnet in der Schweiz!

Für welche Leistung in Ihrem Leben würden Sie sich selbst einen Preis geben?

Ach, das sollen andere tun. Ich bin dankbar für das Quäntchen Glück, das sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht. Manchmal sage ich: „Das Schicksal hat mich für Glashütte aufbewahrt.“ Ohne den Neustart von Lange sähe es in Glashütte ganz anders aus. Ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, die Uhrenindustrie in unserem Erzgebirgsstädtchen wiederzubeleben. Es ist schön zu sehen, dass heute so viele Menschen in Glashütte Uhren bauen. Das macht mich glücklich.

Welche Vision haben Sie für die Zukunft des Unternehmens?

Ich bin heute nicht mehr ins Tagesgeschäft involviert. Aber ich nehme immer noch an wichtigen Veranstaltungen teil. Solange unsere Uhrmacher danach streben, die besten Uhren der Welt zu bauen, ist die Marke auf dem richtigen Weg. Wir dürfen unsere eigenen Standards nicht nach unten setzen; Qualität ist das, was Lange ausmacht. So soll es bleiben.

 

LEIDENSCHAFT

Sie sind viel gereist. Welcher Ort hat Sie besonders beeindruckt?

Ich habe viele Länder bereist und mich an vielen Orten wohlgefühlt. Besonders beeindruckt haben mich die Pyramiden im ägyptischen Giseh. Dort zu stehen, vor diesen gigantischen Bauwerken, und sich vorzustellen, dass hier schon Kleopatra gestanden hat vor über 2000 Jahren – und da sah es dort genauso aus wie heute … Das sind unvorstellbare Dimensionen. Die alten Maya-Städte in Mexiko haben mich nachhaltig beeindruckt. Oder schauen Sie sich im Grünen Gewölbe in Dresden um, was es da für Kunstwerke aus Elfenbein, Bernstein und Silber gibt. Wenn man sich überlegt, was die Menschen damals geleistet haben, ohne die ganzen Vorteile unserer heutigen Technik, mit so einfachen Werkzeugen – das fasziniert mich ungemein.

Und Glashütte? Wie gefällt Ihnen die Stadt heute?

Glashütte ist schön geworden, die Schandflecken sind verschwunden, egal in welche Ecke man schaut. Das freut mich. Erst im April war ich auf dem Berg in der Nähe der Sternwarte. Dort steht eine Bank, von der man einen wunderbaren Blick hinunter auf die Stadt hat. Es gibt ein Foto aus meiner Kindheit, das zeigt meinen Vater und mich mit meinen Geschwistern bei dieser Bank. Wir waren früher häufig dort, haben ein Picknick gemacht und Sonne getankt. Denn davon bekam man oben auf dem Berg mehr ab als unten im Tal.

Welche Persönlichkeiten haben Sie am nachhaltigsten beeindruckt?

Mein Vater war für mich immer ein Vorbild und Ratgeber. Eine wichtige Rolle in uhrmacherischer Hinsicht hat mein Onkel Otto gespielt. Er hat mich als Kind oft mit in die Werkstätten genommen, mir vieles gezeigt.

Ihre größte Stärke?

Vielleicht meine Hartnäckigkeit. Wenn ich die Hoffnung auf die Wiederbelebung der alten Tradition aufgegeben hätte, wäre ich 1990 ein normaler Rentner geblieben. Aber für mich fing mit 66 Jahren noch mal ein neues Kapitel in meinem Leben an. So ist es noch heute: Wenn mir etwas wichtig ist, dann mache ich mich dafür stark. Ich sage, was mir gefällt. Und auch, was mir nicht gefällt, nicht immer zur Freude aller Beteiligten. Aber in meinem Alter und mit meiner Lebenserfahrung darf man das auch, finde ich.

Erinnern Sie sich an Ihre erste eigene Uhr?

Meine erste Uhr war eine Armbanduhr von Cyma. Erst zur Konfirmation bekam ich eine Lange-Uhr geschenkt, eine OLIW. Die Abkürzung steht für „Original Lange Internationales Werk“ und war ab den 1920er-Jahren die preiswertere Linie von A. Lange & Söhne.

Wie viele Uhren tragen Sie privat, und welches ist Ihr Lieblingsmodell?

Die Zahl meiner Uhren ist überschaubar. Als Uhrmacher habe ich eine Schwäche für technische Komplikationen. Deshalb trage ich gern das TOURBILLON „Pour le Mérite“ aus der ersten Kollektion, auch weil mit dieser Uhr die Erinnerung an den Neuanfang der Marke A. Lange & Söhne verbunden ist.

Welche anderen Uhrenmarken gefallen Ihnen?

Ich mag die Standuhren von Erwin Sattler aus München. Ich hatte mal ein Set mit Teilen für eine solche Uhr, die man selbst zusammenbauen konnte. Das hat mir viel Freude bereitet. Die Uhr hängt heute noch in meinem Haus.

Wofür – außer für Uhren – haben Sie eine Leidenschaft?

Ich habe ein Faible für historische Fahrzeuge. Ich erinnere mich gern an meinen alten Fiat 600. Der hatte einen Heckmotor. Meine Frau und ich sind damit den Brenner raufgefahren. Ich habe in einem fort gehupt, weil ich nicht vom Gas gehen konnte. Die Leute sind zur Seite gesprungen, um uns Platz zu machen. Oder meine Horex 350, die hatte einen wunderschönen Klang. Meine Frau saß in einem Seitenwagen. So haben wir tolle Touren gemacht. Vor zwei Jahren bin ich mit meinem Mercedes-Cabrio zum Concorso d’Eleganza an den Comer See gefahren. Die 3-Liter-Maschine brummte, es war ein Vergnügen. Als ich in Como ankam und so viele unglaubliche Wagen auf einmal sah, da hat mein Herz höhergeschlagen!

Was würden Sie jungen Menschen von heute mit auf den Weg geben?

Jede Generation soll ihren eigenen Weg finden. Vielleicht eines: Mir wird heute zu viel gejammert. Alle haben Stress, nichts ist recht. Wenn ich an meine Jugend denke, an die Bedingungen damals … Für eine Fahrt nach Dresden packte mir meine Mutter abgekochte Kartoffeln ein, mehr gab es nicht. Oder die Jahre nach dem Krieg: Anfangs gab es eine Wassersuppe mit geriebenen Kartoffeln, eine sogenannte Zudelsuppe. Im Jahr darauf fand man in der Suppe eingesalzene Möhren aus dem eigenen Garten. Wir waren zufrieden mit dem, was es gab. Das würde ich mir von den jungen Leuten heute auch wünschen.

 

GEBURTSTAG

Sie werden 90 Jahre alt. Geben Sie uns einen Tipp, wie man das schafft?

Früher bin ich am Wochenende oft ins Grüne gefahren. Raus aus der Stadt, die Beine ausstrecken, die wunderschöne Landschaft genießen und frische Luft einatmen. Man fühlt regelrecht, wie man mit neuer Energie aufgeladen wird. Heute versuche ich, zumindest einmal am Tag einen Spaziergang zu machen. Und es gibt einen noch wichtigeren Aspekt: Man muss immer positiv denken. Die Nachrichten werden von negativen Schlagzeilen beherrscht. Das deprimiert doch! Man sollte viel mehr auf die schönen Dinge des Lebens achten. Wer wie ich die Weltwirtschaftskrise 1929 und den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat, weiß, wie wunderbar unser Leben heute ist. Positives Denken. Tun, was man wirklich möchte, und voller Mut und Freude in die Zukunft schauen. Das sind für mich die Schlüssel zu einem langen Leben.

Wie geht es Ihnen momentan?

So gut, wie es einem Menschen in solch einem hohen Alter eben gehen kann. Klar zwackt es hier und da manchmal, aber im Großen und Ganzen bin ich noch ganz gut beieinander. Ich bin dafür sehr dankbar.

Wie sieht heute ein Tag in Ihrem Leben aus?

Das kommt ganz darauf an. Wenn ich daheim bin, sind meine Tage natürlich wenig aufregend. Ich lese, telefoniere, bin in meinem Garten. Auf Reisen ist mein Tagesablauf dadurch bestimmt, an welcher Art Veranstaltung ich teilnehme. Ob Interviews geplant sind oder zum Beispiel ein Dinner am Abend. Wenn ich in Glashütte bin, besuche ich gern die Ateliers unserer Uhrmacher. Egal, wo ich gerade bin, ich versuche immer, mir nach dem Mittag ein kleines Päuschen zu gönnen. Das tut gut und bringt Kraft für die zweite Tageshälfte.

Wie verbringen Sie Ihren Geburtstag?

So genau habe ich das noch nicht geplant. Es ist ja auch noch etwas hin. An meinem Geburtstag bin ich mit meiner Familie und meinen engsten Freunden zusammen. Später, im August, wird es dann ein kleines Fest mit den Lange-Mitarbeitern geben.

Was ist das schönste Geburtstagsgeschenk, das Sie je bekommen haben?

Ich kann mich schwer festlegen. Da gab es einige, die mir viel bedeuten. Wundervolle Geschenke habe ich von Kunden, langjährigen Sammlern, erhalten. Wenn man sie sich genauer ansieht, erkennt man, mit wie viel Aufmerksamkeit sie angefertigt wurden, welche Gedanken sich der Schenker gemacht hat. Diese Dinge schätze ich sehr. Sie stehen deshalb auf einem Sideboard in meinem Glashütter Büro, und immer, wenn ich da bin, erfreue ich mich daran.

Was wünschen Sie sich persönlich zum 90. Geburtstag? Welche Träume wollen Sie sich noch erfüllen?

Ich wünsche mir nur gute Gesundheit. Ansonsten bin ich wunschlos glücklich.

 

 

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