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Der Fortschritt der Präzision Das Tourbillon und dessen Weiterentwicklung durch Lange

Die Schwerkraft ist die rätselhafteste aller physikalischen Größen und hat die Fantasie der Menschen zu allen Zeiten beschäftigt. In H. G. Wells’ 1901 erschienenem Buch „Die ersten Menschen auf dem Mond“ entwickelt der exzentrische Wissenschaftler Cavor ein geheimnisvolles Material, das sich den Wirkungen der Schwerkraft entzieht. In der Realität lässt sich die Gravitation leider – oder glücklicherweise – weder aufheben noch abschirmen. Hundert Jahre vor dem Erscheinen von Wells’ Roman war es der Uhrmacherei immerhin gelungen, die Schwerkraft zu überlisten – mit der Erfindung des Tourbillons. 

 

Das Tourbillon ist die uhrmacherisch wohl anspruchsvollste Komplikation, um die Ganggenauigkeit einer mechanischen Uhr zu erhöhen. Seine 1801 patentierte Konstruktion wurde zuerst in Taschenuhren, später auch in Armbanduhren eingesetzt: Um den Einfluss der Schwerkraft auf einen möglichen Schwerpunktfehler der Unruh auszugleichen, rotieren die gangbestimmenden Teile – Unruh, Anker und Ankerrad – einmal in der Minute in einem Käfig um das feststehende Sekundenrad. 

Die Weiterentwicklung der Präzision

Der weltweit erste Sekundenstopp für das Tourbillon

 

Die mit einem Tourbillon ausgestatteten Zeitmesser liefen zwar sehr präzise, sie hatten jedoch einen Schwachpunkt: Da das Tourbillon nicht gezielt gestoppt werden konnte, war eine sekundengenaue Einstellung der Uhr nicht möglich. Erst der von Lange im Jahr 2008 entwickelte patentierte Sekundenstopp für das Tourbillon erlaubt es, den Mechanismus zu jeder Zeit, das heißt in jedem Schwingungszustand der Unruh und in jeder Stellung des Käfigs, über eine Stoppfeder anzuhalten und die Zeit exakt einzustellen.

 

Beim Ziehen der Krone wird über einen Hebelmechanismus ein Stopphebel freigegeben und dadurch die Stoppfeder in Richtung Unruh geführt. Durch den Anpressdruck der Feder wird die Unruh, und mit ihr der Tourbillon-Käfig, augenblicklich angehalten.

 

Um ein Verhaken beim Abbremsen und Freigeben der Unruh auszuschließen, sind beide Federenden aufgebogen. Mit dem Hineindrücken der Krone werden Unruh und Tourbillon wieder freigegeben und die Uhr läuft augenblicklich wieder an.

Skizze des Sekundenstopp-Mechanismus

Die V-förmige Stoppfeder des Sekundenstopp-Mechanismus schwenkt beim Ziehen der Krone auf den Tourbillon-Käfig und den Unruhreif. So kann das Tourbillon und mit ihm das gesamte Uhrwerk augenblicklich angehalten werden.

Alle aktuell erhältlichen Modelle mit Tourbillon verfügen bei A. Lange & Söhne über den Sekundenstopp-Mechanismus – mit einer Ausnahme. Der Tourbograph Perpetual „Pour le Mérite“ hat keinen Sekundenzeiger und folglich auch keine Sekundenstopp-Funktion.

Ralph Knoll über den Sekundenstopp-Mechanismus eines Tourbillons

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