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Sachsen vor der Uhrmacherkunst

Unweit von Christiansdorf, dem heutigen Freiberg, stoßen Kaufleute im Jahr 1168 zufällig auf Silbererz und lösen das aus, was als „erstes Berggeschrey“ in die Geschichte eingeht. Das unwirtliche Erzgebirge ist plötzlich Magnet für Bergleute, Händler, Köhler und Vagabunden. Der Silberrausch ist der Grundstein für den einige Jahrhunderte anhaltenden Wohlstand in den sächsischen Gebieten – und wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der filigranen Handwerkskunst in späteren Zeiten. 

 

„Glaßehutte“ wird 1445 erstmals urkundlich erwähnt. Den Namen verdankt der Ort dem faszinierenden transparenten Material Glas („Glaße“), „Hutte“ bezeichnet eine Produktionsstätte. Dennoch ist auch hier der Fund von Silbererz im Jahr 1490 entscheidend für die Entwicklung des Städtchens. 

Eine alte Karte von Glashütte und den umliegenden Orten

Vier Jahrhunderte nach dem „ersten Berggeschrey“ ist das Erzgebirge ein Zentrum des europäischen Bergbaus. Es entstehen nicht nur Arbeitsplätze für Grubenarbeiter, auch immer mehr Handwerksspezialisten siedeln sich an, um die Bodenschätze gleich zu verarbeiten. Der Bergbau fördert die Ausbildung und die Verfeinerung typisch sächsischer Handwerksfähigkeiten.

 

Mit machtpolitischem Ehrgeiz sowie mit zahlreichen Verordnungen und Reformen verhilft Kurfürst August (1526–1586) Sachsen zum Aufschwung. Er entdeckt, wie viele Monarchen dieser Zeit, seine Sammelleidenschaft. 1560 gründet er in Dresden eine Kunst- oder „Wunderkammer“. Sie wird mit allem gefüllt, was ihn fasziniert: Bildern, Waffen und Schmuck, Kunsthandwerk, Kuriositäten und Gebrauchsgegenständen – aber auch mit mechanischen, astronomischen und vermessungstechnischen Instrumenten. Diese Kunstkammer bildet den Grundstock für das 1729 ausgegliederte „Königliche Cabinet der mathematischen und physikalischen Instrumente“, das unter Johann Gottfried Köhler so wichtig für die Entwicklung der Präzisionszeitmessung wird.

Not und Neuanfang

 

In Sachsen sind die Folgen des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) verheerend, die Bevölkerung ist um die Hälfte dezimiert – nicht zuletzt durch die Pest. Der gewonnene Wohlstand schmilzt, doch die Menschen geben nicht auf. Statt Silber werden neue Bodenschätze abgebaut: Eisen, Zinn, Blei, Kupfer, Wismut, Serpentin. Die Sachsen verarbeiten diese Rohstoffe – rund um die größeren Städte entstehen die ersten spezialisierten Manufakturen.

 

Zu den ältesten Handwerksberufen zählt die Goldschmiedekunst, spätestens seit 1368 arbeiten Goldschmiede in Sachsen. Der als Hofjuwelier im Dienste August des Starken tätige Johann Melchior Dinglinger trägt dazu bei, dass sein Handwerk im Barock eine Blütezeit erlebt. Dinglingers Kostbarkeiten, die er auch für den russischen Zaren Peter den Großen anfertigt, sind heute im Grünen Gewölbe in Dresden zu sehen.

Die Zeichnung einer großen Schlacht. Im Hintergrund ist Glashütte zu erkennen.

Anfänge der Uhrmacherkunst

 

Es ist nicht möglich, eine eindeutige Geburtsstunde für die Uhrmacherkunst in Sachsen anzugeben. Bekannt ist, dass sich schon 1540 als Keimzelle einer ordentlichen Zunft die erste Uhrmachervereinigung in Deutschland bildet – und zwar in Dresden. Diese ersten Uhrmacher gehören noch zur Innung der Kleinschmiede; denn ursprünglich sind es Schmiede und Schlosser, die Zeitmesser herstellen.

In einem Handwerksbetrieb wird eine Taschenuhr hergestellt

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