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Vollendung bis ins kleinste Detail Finissierung und Gravur

Ein Uhrwerk von A. Lange & Söhne erkennt ein Uhrenliebhaber auf den ersten Blick. Jedes Bauteil wird mit einer eigens ihm zugedachten Finissierung vollendet – ganz gleich, ob es durch den Saphirglasboden sichtbar ist oder nicht. Jedes noch so kleine Teilchen muss höchsten handwerklichen und ästhetischen Ansprüchen genügen: Allein um eine Flachpolitur perfekt auszuführen, bedarf es mehrerer Monate Übung, und bei der Anglierung wird darauf geachtet, dass die Kanten nicht nur über einen gleichmäßigen Winkel, sondern auch über dieselbe Breite verfügen. Der Unruhkloben erhält eine besondere Finissierung: Er wird von Hand mit dem für Lange typischen floralen Muster graviert – so wird jede Lange-Uhr zum Unikat.

„Von Hand vollendet“: Walter Lange über die Finissierung der Uhrwerksteile

Dreiviertelplatine mit und ohne Bandschliff

Der Bandschliff

 

Die regelmäßigen Streifen des Bandschliffs zieren die Dreiviertelplatine und die rückseitigen Brücken eines Lange-Kalibers. Der Bandschliff wird durch eine leicht schräg gestellte, rotierende Schleifscheibe erzeugt, die in geraden parallelen Linien auf dem Werkstück entlanggeführt wird.

Herbeiführung des Sonnenschliffs und fertiger Sonnenschliff

Der Sonnenschliff

 

Die spiralförmigen Strahlen des Sonnenschliffs schmücken speziell die Federhäuser sowie andere größere runde Flächen und Zahnräder. Der Sonnenschliff entsteht, wenn sich das Werkstück und die zur Herstellung verwendete Schleifscheibe in entgegengesetzte Richtungen drehen.

Die wolkenförmige Perlage und deren Herstellung mit einem rotierendem Schleifstift

Die Perlage

 

Die Perlage kommt auf den Innenflächen von Platinen und Brücken sowie auf der nicht sichtbaren Zifferblattseite der Grundplatine zum Einsatz. Die wolkenförmige Verzierung wird mithilfe eines rotierenden Schleifstifts erzeugt, mit dem das Werkstück nur kurz angetippt wird. Dieses wird von außen nach innen mit den kreisförmigen, sich überlagernden Perlschliffen dekoriert.

Ein Element mit Stichschliff

Der Strichschliff

 

Der Strichschliff ist speziell für Stahlhebel, Federn und Wippen vorgesehen. Diese Dekoration wird mit einem Schleifpapier hergestellt, über welches das Werkstück in Längsrichtung gezogen wird. Dies muss mit geraden Bewegungen und großer Sorgfalt geschehen, damit das Werkstück bis in seine äußersten Ecken mit den feinen Linien versehen werden kann.

Ein mit Kreisschliff versehenes Zahnrad

Der Kreisschliff

 

Kleinere Zahnräder werden mit einem Kreisschliff vollendet. Seine regelmäßigen kreisförmigen Konturen entstehen, wenn das Werkstück auf einem Schleifpapier gedreht wird.

Senkrechte Kanten mit Umfangschliff

Der Umfangschliff

 

Der Umfangschliff verschönert die senkrechten Kanten der Gestellteile eines Lange-Uhrwerks. Er wird mit einem rotierenden Schleifstift erzeugt. Dabei wird das Werkstück mit der Hand an der Seite des sich drehenden Schleifstifts entlanggeführt.

Die spiegelnde Oberfläche von Deckplättchen und der Arbeitsschritt der Politur

Die Flachpolitur

 

Bis zu zwei Stunden Feinarbeit sind notwendig, damit dem Deckplättchen eines Ankerrads, der Schwanenhalsfeder und anderen Teilen des Uhrwerks ihre spiegelgleiche Oberfläche verliehen werden kann.
Um ein Werkteil mit einer Flachpolitur zu versehen, drückt der Finisseur es in ein Stück Holundermark und führt es in Form einer Acht über immer feiner werdende, diamantbestäubte Folien. Höchste Konzentration ist dabei vonnöten: Denn schon ein winziges Staubkorn zwischen dem Werkstück und dem Poliermittel oder ein zu hoher Druck auf das Werkstück kann die Arbeit mehrerer Stunden zunichtemachen.

Die Schwarzpolitur

 

Nur wenige ausgewählte Werkteile werden mit einer aufwendigen Schwarzpolitur versehen. Mehrere Tage kann diese Arbeit in Anspruch nehmen. Dabei werden die Teile von Hand so lange mit speziellen Poliermitteln auf einer Zink- oder Zinnplatte poliert, bis sie schwarz zu glänzen scheinen.

Prozess einer Anglierung und das Ergebnis

Die Anglierung

 

Bei A. Lange & Söhne werden alle Kanten von Platinen, Brücken und Hebeln angliert, also gebrochen und poliert. Für das Können der Lange’schen Finisseure spricht hierbei, dass nach der Anglierung nahezu alle gebrochenen Kanten, die Fasen, über einen gleichmäßigen Winkel und über dieselbe Breite verfügen. Die Politur der Fasen führen die Finisseure in reiner Handarbeit aus. Werkteile aus weicheren Materialien werden mit Schleifgummis abnehmender Rauigkeit und abschließend mit einer Politurbürste vollendet, die härteren Stahlteile werden mit einer rotierenden Holzscheibe poliert.

Die Politur von Innenecken mit einem feinen Uhrmacherwerkzeug in der Nahaufnahme

Die Politur von Innenecken

 

Welcher Vollendungsstufe ein Zeitmesser angehört, äußert sich in einem dezenten, aber umso aussagekräftigeren Detail. So richten Uhrenkenner ihren Blick zuerst auf die Innenecken von Brücken und Hebeln. Weisen sie eine präzise, kantige Form auf, sind sie zweifelsfrei von Hand poliert. Denn nur ein Mensch kann die dafür erforderliche lineare Schleifbewegung ausführen. Ist ihre Form dagegen abgerundet, muss man von einer maschinellen Dekoration ausgehen. Zur Politur der Innenecken nutzen die Finisseure von Lange ein bleistiftähnliches Werkzeug aus Hartmetall. Damit werden die Innenecken von Hand geschnitten und vollendet.

Händische Gravur des Klobens mit floralem Muster

Gravur des Klobens

 

Jede Lange-Uhr verfügt über einen handgravierten Unruh- oder Tourbillonkloben. Dabei verwenden die Meister von Lange seit mehreren Generationen dasselbe Motiv: Es besteht aus Blütenblättern, die die zentrale Schraube eines Klobens umranden, und einem floralen Muster, das dessen charakteristische Form harmonisch nachvollzieht. Gleichzeitig ist jede Gravur aber auch einzigartig: Denn die persönliche Handschrift des Graveurs, die Tiefe des Schnitts und der Schwung der Linienführung machen sie zu einem unverwechselbaren Fingerabdruck. Ein Fingerabdruck, der jeden einzelnen Zeitmesser von allen anderen unterscheidet.

Nahaufnahme des Tourbillons einer 1815 TOURBILLON

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